Vorträge und Workshops

Der Kongress ist zweisprachig: Die Vorträge/Workshops werden auf Deutsch oder Französisch gehalten und simultan in die andere Sprache übersetzt.​

Vorträge

Die Gesetze zur elektronischen öffentlichen Beurkundung und Registrierung (EÖBG) und über die elektronischen Identifizierungsdienste (E-ID-Gesetz)
Anja Risch, stv. Chefin EGBA

Urs Paul Holenstein, Chef Fachbereich Rechtsinformatik des Direktionsbereichs Zentrale Dienste

​Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 30. Januar 2019 das Bundesgesetz über die Erstellung elektronischer öffentlicher Urkunden und elektronischer Beglaubigungen (EÖBG) in die Vernehmlassung geschickt. Gemäss Vorentwurf soll das Original einer Urkunde künftig zwingend in elektronischer Form zu erstellen sein. Gleichzeitig soll ein nationales Register für die elektronischen öffentlichen Urkunden geschaffen werden. Nach dem Ablauf der Vernehmlassungsfrist am 8. Mai 2019 und der Auswertung der eingegangenen Stellungnahmen folgt nun die Ausarbeitung einer Botschaft.

Die Digitalisierung des französischen Notariats : die elektronische öffentliche Urkunde

François-Xavier BARY, Stellvertretender Generaldirektor der Groupe ADSN (Activités et Développement au Service du Notariat

Seit den 2000er-Jahren haben sich die französischen Notare mit der Infrastruktur und den Tools ausgestattet, die ihnen eine erfolgreiche Digitalisierung ermöglichen. Die elektronische öffentliche Urkunde ist zur Norm geworden, 90 % der Urkunden werden in dieser Form ausgefertigt. Das Minutier Central des Notaires de France, das seit 75 Jahren das Archiv für solche Urkunden ist, ist nicht nur ein technisches Instrument, sondern vor allem ein technologisches und organisatorisches System, das sich weiterentwickeln muss, um die Lesbarkeit und Verwendbarkeit der Urkunden dauerhaft zu gewährleisten und dabei die Echtheit zu sichern. Auf diese Weise werden sowohl technologische Fortschritte wie BlockChain als auch gesellschaftliche Entwicklungen berücksichtigt, indem zum Beispiel die virtuelle Präsenz des Mandanten bei seinem Notar vorgesehen wird.

Zugangsdaten zu Online-Accounts im Todesfall

Prof. Dr. iur. Daniel Hürlimann und Dr. iur. Silvio Hänsenberger

Nachlässe umfassen häufig auch Zugangsdaten zu Online-Accounts. Ohne Vorkehrungen des Erblassers stellen diese die Angehörigen vor grosse Herausforderungen: Fehlende Passwörter, unbekannte Online-Abos, Dienste mit Sitz im Ausland, ein nicht dokumentierter Wille des Erblassers oder Uneinigkeit der Angehörigen betreffend Umgang mit den Online-Accounts können zu Streitigkeiten, Kosten und Verzögerungen führen. Um solchen Schwierigkeiten vorzubeugen, zeigt dieser Beitrag konkrete Instrumente und Massnahmen auf, welche einen reibungslosen Umgang mit Online-Accounts im Todesfall sicherstellen können.

Die Blockchain – was taugt sie wirklich?

Prof. Dr. Kai Brünnler, Berner Fachhochschule

Der Begriff Blockchain steht für einen technologischen Durchbruch auf dem Gebiet digitaler Währungen. Das Konzept hinter diesem Begriff ist allerdings nicht einfach zu verstehen. Eine Blockchain ist eine Datenstruktur, die in kryptografischen Protokollen eingesetzt wird, um Sicherheit gegen bestimmte Angriffe zu gewährleisten. Ihr Sinn erschließt sich nur dann, wenn man diese Angriffe durchdacht hat.

Wir werden deshalb den Aufbau eines Blockchain-basierten Protokolls von Grund auf nachvollziehen. Ausgehend von einem Protokoll, das jeder kennt, der schon einmal E-Banking benutzt hat, werden Schritt für Schritt Probleme aufgezeigt und gelöst und dabei neue Protokolle entwickelt – bis hin zu einer Blockchain.

 

Workshops

Workshop: Zugangsdaten zu Online-Accounts im Todesfall

Prof. Dr. iur. Daniel Hürlimann und Dr. iur. Silvio Hänsenberger

 Aufbauend auf den Vortrag vom Vormittag, bei dem die Grundsätze zum digitalen Nachlass erläutert wurden, werden die Inhalte an konkreten Praxisbeispielen vertieft.

E-ID, Praktische Umsetzung

Urs Paul Holenstein, Chef Fachbereich Rechtsinformatik des Direktionsbereichs Zentrale Dienste

Am 27. September 2019 hat die Bundesversammlung das Bundesgesetz über elektronische Identifizierungsdienste (E ID-Gesetz, BGEID) verabschiedet. Im Referat werden die Grundzüge des E ID-Gesetzes (insbesondere die Rollenverteilung zwischen Staat und Privatwirtschaft) vorgestellt und die nächsten Schritte erläutert (Ablauf Referendumsfrist, Vernehmlassung zum Entwurf der Ausführungsbestimmungen, Schaffung der Eidgenössischen E ID-Kommission, Inkrafttreten). Ausstellungsprozess und Einsatz der E ID werden im Workshop anhand des speziell für dieses Gesetzgebungsverfahren entwickelten E ID-Demonstrators live präsentiert.

Praktische Fragen zur Umsetzung des elektronischen Notariats
Claudia Schreiber, Rechtsanwältin

Im Workshop betrachten wir gemeinsam, welche Schritte bei der Umsetzung des elektronischen Notariats konkret nötig und sinnvoll sind. Dabei sprechen wir von elektronischen Signaturen und Hashwerten ebenso wie von rechtlichen Grundlagen des elektronischen Notariats. Wir machen uns auch Gedanken über den Eigensinn des Digitalen und darüber, wie sich dieser im Notariat manifestiert.

Live Demo: Dokumente und Zertifikate in der Blockchain abspeichern und einen eigenen Token emittieren

Mag. Dr., LL.M. Philip Hanke, Verlagsleiter Weblaw

Wie speichert man Daten in der Blockchain? Philip Hanke zeigt, wie man mit nur wenigen Klicks den Fingerabdruck eines Dokuments in der Blockchain abspeichert, um eindeutig sowie unfälschbar nachzuweisen, dass dieses Dokument in exakt dieser Form zu einem gewissen Zeitpunkt existiert hat. Des Weiteren zeigt er, was Tokens sind, wie man sie emittiert und transferiert.

Das Digitale Büro: von der Dossiereröffnung zur elektronischen öffentlichen Urkunde (Docengine)

Franz Kummer, CEO Weblaw

Franz Kummer zeigt am Workshop in einer Liveumgebung, wie (zukünftig) die Arbeit eines Notariats unterstützt werden kann. Der Fokus geht weg von der einzelnen Urkunde hin zum Prozess bzw. zum Geschäft. Dieses wird als Einheit verstanden und mit Hilfe der Automatisierungslösung DocEngine abgebildet. Das Ziel ist ein möglichst effektives und medienbruchfreies Arbeiten für alle Involvierten (Kunden, Notariat, Drittparteien, Ämter etc.).

E-ZTR – Registrierung und Nachforschung via Webapplikation

Pit Meyer, Geschäftsführer ZTR

Das Zentrale Testamentenregister (ZTR) ist auch als Webapplikation verfügbar: damit kann der Nutzende seine Registrierungs-, Mutations- und Löschungs- sowie Nachforschungsaufträge direkt im eZTR erfassen und an das Register übermitteln. Gleichzeitig kann er dort seine bereits beim ZTR registrierten Verfügungen sowie Aufträge und Rechnungen jederzeit einsehen und ausdrucken. Im Rahmen des Workshops geht Pit Meyer mit einer Live-Demonstration auf diese Anwendungsmöglichkeiten und die damit verbundenen Vorteile des eZTR näher ein.

Digitale Plattform Terravis – heute und morgen
Werner Möckli, Geschäftsführer SIX Terravis

Walter Berli, stv. Geschäftsführer SIX Terravis

Mit innovativem Pioniergeist treibt SIX seit 10 Jahren die Digitalisierung im Hypothekar-, Grundbuch- und folglich im Notariatswesen voran. Damit soll Nutzen sowohl für die involvierten Anspruchsgruppen als auch für die Grundeigentümer gestiftet werden. Ein Einblick hinter die Kulissen von Terravis zeigt die erzielten Erfolge wie auch die aktuellen Herausforderungen.

In unserem Workshop informieren wir die Kongressteilnehmer über den Stand und die Weiterentwicklungen der digitalen Plattform Terravis, wobei die notariellen Funktionen im Fokus stehen. Schliesslich wagen wir einen Blick in die fernere Zukunft und zeigen auf, wohin die Reise aus unserer Sicht hingehen wird.

Die Tokenisierung von Wertschriften und die Unternehmensfinanzierung
Dr. iur., Rechtsanwalt (Lenz & Staehelin)

Mit der Distributed-Ledger-Technologie kann das Funktionieren der Finanzmärkte verbessert werden. Indem sie es Unternehmen ermöglicht, Wertpapiere direkt bei den Investoren zu platzieren – ohne dafür die üblichen mit der Börsenkotierung verbundenen Verfahren einhalten zu müssen –, schafft sie neue Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen und kann so den Zugang zum Kapitalmarkt demokratisieren. Obwohl die Schweizer Börsen die Kotierung von Token-Wertpapieren derzeit nicht erlauben, gestattet die schweizerische Finanzmarktinfrastrukturgesetzgebung Banken und Effektenhändlern den Betrieb von Handelsplattformen für solche Instrumente.

 

Keynote

Haltung zeigen im digitalen Wandel: Philosophische Strategien für Agilität und Stabilität

Dr. Rebekka Reinhard

In Zeiten des digitalen Wandels wird (nicht nur) von Notaren viel verlangt: Sie sollen selbstverantwortlich sein, die richtige Balance zwischen Stabilität und Agilität finden – und ihren Mitarbeitern mit Engagement begegnen. Wenn bisherige Arbeitsprozesse plötzlich «alt» aussehen – und «das Neue» als «Muss» erscheint, braucht es für einen effizienten Workflow jenseits angemessener fachlicher Skills vor allem eins: Lust auf Zukunft. Dieser Vortrag stellt auf Basis der philosophischen Lebenskunst («techné tou biou») sowie der Argumentationslogik Praktiken zur Selbstführung und zum Erwerb einer aktiven Haltung («ethos») vor und zeigt, wie man aus Spaß am Lernen und Experimentieren das Fundament eines erfolgreichen gelungenen (Arbeits-)Lebens gewinnt.